Was ist sexuelle Gewalt?

Sexueller Missbrauch ist jede sexuelle Handlung, die an oder vor Kindern oder Jugendlichen gegen ihren Willen vorgenommen wird oder eine sexuelle Handlung, der Kinder/ Jugendliche aufgrund körperlicher, psychischer, kognitiver oder sprachlicher Unterlegenheit nicht willentlich zustimmen können.
Aufgrund des Entwicklungsstandes kann ein Kind nicht frei und überlegt zustimmen bzw. die Missbrauchshandlungen ablehnen. In der Regel kennt es den Erwachsenen gut, vertraut ihm und erwartet deshalb nichts Böses.

Die strafrechtliche Definition sexuellen Missbrauchs ist im Kapitel 13 “Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ Strafgesetzbuch definiert (s. u.). Diese stimmt nicht immer mit nicht juristischen Definitionen überein.
Wesentliches Merkmal des sexuellen Missbrauchs ist die Ausnutzung eines bestehenden Vertrauensverhältnisses sowie einer Macht- und Autoritätsposition und die systematische Planung der Taten durch den Täter oder die Täterin. Motive sind dabei nicht primär sexuelle Bedürfnisse sondern Bedürfnisse nach Macht und Unterwerfung durch die Missbrauchshandlungen. Sexueller Missbrauch ist keine gewalttätige Form von Sexualität, sondern eine sexuelle Form von Gewalt, ihr liegt immer ein Machtmissbrauch zugrunde.


Einige typische Merkmale des sexuellen Missbrauchs

  • Der Missbrauch ist bewusst geplant, die Kinder und Jugendlichen werden langsam darauf “vorbereitet“. Die Handlungen des Täters sind oftmals zunächst in Spiel- oder Pflegehandlungen versteckt und werden im Grad der Gewalttätigkeit und Intensität allmählich gesteigert.
  • Die Täter und Täterinnen sind dem Kind in aller Regel bekannt (Verwandte, Bekannte, Erzieher und Betreuer)
  • Die Täter nutzen ihre Macht- und Autoritätsposition sowie bestehende Vertrauensverhältnisse aus.
  • Die Kinder haben oft widerstreitende Gefühle gegenüber den Tätern (Zuneigung vs. Hass/ Ekel usw.)
  • Den Kindern wird ein Schweigegebot auferlegt, z. B. indem ihnen gedroht wird, sie würden in ein Heim kommen oder dass die Offenlegung des Missbrauchs dazu führt, dass etwas Schlimmes geschieht.
  • Häufig werden die Kinder mit materiellen Gütern “belohnt“ und zum Schweigen gebracht.
  • Oft sind betroffene Kinder so ambivalent in ihren Gefühlen, dass sie sich ohnehin niemandem anvertrauen.


Die Verantwortung für den sexuellen Missbrauch trägt immer der Täter, unabhängig vom Alter und dem Verhalten des Kindes.